Hohe Standzeiten statt Stillstandszeiten

Ein Produktionsausfall im März 1998 begründete die bis heute enge Partnerschaft zwischen Comau, einem der bedeutendsten Roboter-Hersteller für die Fahrzeugindustrie und dem zu LAPP gehörenden Robotikkabel-Spezialisten LAPP Muller. Als die an den Comau-Fertigungsrobotern eingesetzten Kabel von Wettbewerbern von LAPP versagten und die Fahrzeugproduktion in einem Turiner Werk stillstand, musste schnell eine Lösung her. Die Spezialisten von LAPP Muller halfen – und schrieben Kabelgeschichte.

Aufgabe

Hohe Torsion, enge Biegeradien, massiver Dauereinsatz: Roboterkabel müssen höchsten Belastungen standhalten. Schließlich geht ein Schaden bei Produktionsausfall schnell in die Millionen. Es galt, die gravierenden Probleme mit den beweglichen Kabeln und Steuerungen an den Comau-Fertigungsrobotern schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Eine ebenso anspruchsvolle wie verantwortungsvolle Aufgabe.

Lösung

Schnell war klar, dass es für die speziellen Fertigungsanforderungen keine Standardlösung gibt. Deshalb mussten insgesamt neun verschiedene Kabel von Grund auf neu entwickelt werden. Eine weitere Erkenntnis: Die ursprünglich eingesetzten Kabel waren nicht nur ungeeignet, sondern auch noch ungünstig montiert. Sie überkreuzten einander und erzeugten dadurch höhere mechanische Belastungen. Vor diesem Hintergrund übernahm LAPP Muller auch gleich noch die Montage der neu entwickelten Kabel an den Robotern.

Produkte

Mangels Standardlösungen wurden die Kabel individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Roboter zugeschnitten. Durch die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist man heute so weit, dass alle Comau-Roboterarme mit insgesamt fünf verschiedenen Hybridkabeln für die bewegten Anwendungen ausgestattet werden.

Erfolg

Die damaligen Ereignisse führten zu weitreichenden Verbesserungen im High-end-Bereich für Kabel. Und zu einer nie gekannten Langlebigkeit. Durch die exakte Abstimmung auf die individuellen Kundenbedürfnisse kann Comau heute ganze acht Jahre Garantie auf seine Hollow-Wrist-Fertigungsroboter geben. Das entspricht einem kompletten Auto-Modellzyklus und stellt für Comau einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar, denn die marktübliche Garantie beträgt bei Robotern mit externer Verkabelung in der Regel lediglich ein Jahr. Dabei sind Kabel für die Roboter mit Hollow-Wrist besonders hohen Belastungen ausgesetzt: alle Kabel liegen vollständig im Inneren der Roboterarme. Das spart Platz, bedeutet für die Kabel aber, dass der Platz sehr begrenzt ist, und das macht besonders geringe Biegeradien notwendig: Höchstens das Achtfache des Kabelaußendurchmessers darf er betragen. Je enger der Biegeradius, umso größer der Stress für das Kabel und umso schwieriger ist es, die geforderten hohen Standzeiten zu realisieren. Um Probleme von vornherein zu vermeiden, arbeitet Comau seit Jahren bei jedem neu entwickelten Roboter eng mit der Entwicklungsabteilung von LAPP zusammen.

Kunde

Comau ist einer der renommiertesten Roboterhersteller für die Automobilindustrie. Die derzeit modernste Fertigungslösung von Comau heißt OpenRoboGate und wird unter anderem im Fiat-Werk in Melfi eingesetzt. In dem süditalienischen Werk bei Neapel können bis zu sechs verschiedene Fahrzeugkarosserien in einem willkürlichen Mix gefertigt werden. Und das in höchstem Tempo: Weniger als eine Minute brauchen die Roboter pro Karosserie.