Halogenfrei

Was ist ein halogenfreies Kabel?

Erinnern Sie sich noch an das Periodensystem der Elemente aus dem Chemieunterricht? In der so genannten siebten Hauptgruppe stehen die Halogene: die Elemente Fluor, Chlor, Brom und noch zwei weitere. Sie finden sich in vielen chemischen Verbindungen, Chlor zum Beispiel in Polyvinylchlorid. PVC, so die Abkürzung, ist sehr langlebig, weshalb es in vielen technischen Produkten zum Einsatz kommt, auch als Isolations- und Mantelmaterial in Kabeln. Häufig werden Chlor und andere Halogene als Additive zugesetzt, um den Flammschutz zu verbessern. Das hat allerdings einen Preis. Halogene sind schädlich für die Gesundheit. Zunehmend werden deshalb bei Kabeln Kunststoffe verwendet, die keine Halogene enthalten.

Wenn Sie solche Kabel verwenden wollen oder müssen, sollten Sie auf die Bezeichnung „halogenfrei“ achten. Halogenhaltige Kunststoffe verraten sich durch die chemischen Elemente im Namen, wie beispielsweise Chlorphen-Kautschuk, Fluorethylenpropylen, Fluor-Polymer-Kautschuk und einige mehr. Halogenfrei sind dagegen unter anderem Silikon-Kautschuk, Polyurethan, Polyethylen, Polyamid, Polypropylen, thermoplastische Elastomere (TPE), Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk und einige weitere. Sie enthalten keine gesundheitsbedenklichen Stabilisatoren aus Schwermetallen oder Weichmacher, die Additive zum Flammschutz sind ökologisch unbedenklich.

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Was ist der Vorteil von halogenfreien Kabeln und Leitungen?

Mit Halogenen ist es wie mit vielen Dingen: Sie haben viele positive, aber leider auch ein paar negative Eigenschaften. Chlor zum Beispiel ist ein gutes Reinigungsmittel zum Desinfizieren. Aber: Halogene können der Gesundheit schaden. Das ist besonders der Fall, wenn halogenhaltige Kunststoffe – allen voran PVC – verbrennen. Bricht ein Feuer aus, werden Halogenwasserstoffe aus dem Kunststoff freigesetzt. Mit Wasser, etwa dem Löschwasser der Feuerwehr, aber auch mit der Feuchtigkeit der Schleimhäute, verbinden sich Halogene zu Säuren, aus Chlor wird Salzsäure, aus Fluor die stark ätzende Flusssäure, außerdem kann ein Mix aus Dioxin und anderen hochgiftigen Chemikalien entstehen. Gelangen sie in die Atemwege, können sie diese verätzen und zum Erstickungstod führen, selbst wer den Brand überlebt, kann an bleibenden Gesundheitsschäden leiden. Bei halogenfreien Kabeln ist dies nicht der Fall. Wenn sie stark erhitzt werden oder brennen, bilden sie keine ätzenden Säuren oder gesundheitlich bedenklichen Gase.

Für einen ganzheitlichen Brandschutz sollten Kabel außerdem einen Flammschutz und eine geringe Rauchentwicklung haben. Der Flammschutz verzögert das in Brand geraten und die Ausbreitung der Flamme und fördert die Selbstverlöschung. Hier sind die Hersteller in einem Dilemma, denn Chlor und Brom sind sehr gute Flammschutzmittel, sie werden deshalb häufig Kunststoffen für Kabel zugemischt. Wegen der genannten Gesundheitsgefahren ist das allerdings umstritten und nur dort erlaubt, wo keine Personen gefährdet werden. LAPP hat deshalb Materialien entwickelt, die einen hohen Flammschutz aufweisen, aber dennoch ohne Halogene auskommen. Sie weisen auch eine geringe Rauchgasdichte auf, entwickeln also weniger Qualm und erleichtern es eingeschlossenen Personen, Fluchtwege zu finden. Sinnvoll ist auch ein langer Funktionserhalt. Die Hochgeschwindigkeitsdatenleitung ETHERLINE® FIRE von LAPP behält ihre Funktion auch noch nach zwei Stunden in den Flammen, so lange überträgt sie Daten mit voller Übertragungsrate. Das ist zum Beispiel wichtig in Gebäuden mit vielen Personen, wo bei einem Feuer Überwachungskameras Bilder vom Brandherd liefern sollen. Darüber hinaus hat LAPP ein umfangreiches Portfolio, angefangen von halogenfreien NYM- und NHXMH-Mantelleitungen über ÖLFLEX® Steuerleitungen,  Schrumpfschlauch PROTECT-HF bis zu schnellen Datenleitungen der Marke ETHERLINE®.

In welchen Anwendungen sollten halogenfreie Kabel verwendet werden?

Kurz gesagt: Überall dort, wo sich Menschen oder Tiere aufhalten und wo hohe Sachwerte gefährdet sind, etwa teure Maschinen oder Kunstgegenstände. Was andernfalls passieren kann, zeigt die Brandkatastrophe am 11. April 1996 am Flughafen Düsseldorf. Dort starben 17 Menschen, weil PVC-Leitungen Rauch sowie giftige Dioxine und Furane freisetzten. Auch im Innenraum von Fahrzeugen, etwa in Bussen oder Straßenbahnen, sind halogenfreie Leitungen nicht nur sinnvoll, sondern sogar vorgeschrieben. In öffentlichen Gebäuden wie Flughäfen, Krankenhäusern, Schulen, Messehallen, bei denen Kabelbündel auf Kabelpritschen oder in Kabelkanälen verlegt werden, sind halogenfreie Materialien ebenfalls Pflicht. Ebenso in Schiffen, Flugzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln, wo halogenfreie Leitungen bei den Ausschreibungen im Pflichtenheft gefordert werden. Für Sie als Anwender relevant sind halogenfreie Kabelbezeichnungen, die unter anderem diesen Normen entsprechen: IEC 60754-1 (halogenfrei), IEC 60754-2 (geringe Korrosivität und Azidität der Brandgase), EN 50305 (geringe Toxizität der Brandgase), ECE-R 118.01 (Brandtest in Bussen).

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