CPR - Das Kabel als stützende Säule im Brandschutz

CPR

In modernen Neubauten werden die neuesten Erkenntnisse des Brandschutzes in die Tat umgesetzt. Auch die Gesetzeslage zum Brandschutz hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Dennoch ist es wirtschaftlich nicht möglich, jedes Gebäude dem aktuellen Standard anzupassen. Oft haben die Besucher der Gebäude im Brandfall nur sehr wenig Zeit, um vor dem Brand zu fliehen. Dabei sind häufig nicht die Flammen selbst die größte Gefahr, sondern die Rauchentwicklung sowie toxische Gase, die beim Verbrennen von Kunstoffen entstehen. Binnen kürzester Zeit können diese die Lunge irreversibel schädigen.
 
Um diese Gefahr einzudämmen, werden Baustoffe auf ihr Brandverhalten geprüft und klassifiziert. Eine der wichtigsten Klassifizierungen ist dabei die CPR-Klassifizierung. Was die CPR-Klassifizierung beinhaltet, wie Kabel und Leitungen mit CPR-Klassifizierung dabei helfen, Gefahren zu mindern und wie Sie das beste Kabel für Ihre Anwendung finden, zeigen wir Ihnen anhand der folgenden Informationen und Entscheidungshilfen.

 

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Was bedeutet CPR?

Wird ein Kabel oder eine Leitung auf das eigene Brandverhalten getestet und erfüllt dieses alle gängigen Grenzwerte, wird dieses anhand bestimmter Klassifizierungskriterien einer CPR-Klasse der Stufen ACA bis FCA zugeordnet. Ausgeschrieben bedeutet CPR: „Construction Product Regulation". Die Bezeichnung entstammt der EU-Verordnung Nr. 305/2011. Im deutschen Gesetzesrahmen lautet die Bezeichnung Bauproduktenverordnung (BauPVO).

Unsere Ingenieure bei LAPP haben viele Artikel für Sie klassifizieren lassen, um Ihnen eine breite Produktpalette von Kabeln und Leitungen für Ihr Bauprojekt anbieten zu können. Diese Produkte erkennen Sie daran, dass wir zusätzlich zum Datenblatt auch immer die CPR-Erklärung zum Download bereitstellen. Des Weiteren stellen wir Ihnen eine vollständige Liste aller CPR-klassifizierten Artikel im Downloadcenter unter „CPR Leistungserklärung" zur Verfügung.

 

Wie wird ein Kabel oder eine Leitung CPR-klassifiziert?

Wenn ein Kabel oder eine Leitung auf ihr Brandverhalten geprüft wird, dürfen strenge, gesetzliche Grenzwerte in mehreren Klassifikationen nicht überschritten werden. Wir zeigen Ihnen einen Auszug der Klassifikationen, die den Verlauf eines Brandes bemessen:

  • Flammausbreitung
  • Hitzeentwicklung
  • Rauchentwicklung (Abstufung s1a, s1b, s1, s2, s3)
  • Säurebildung (Abstufungen a1, a2, a3)
  • Entstehung brennender Tropfen (Abstufungen d0, d1, d2)

Diese Klassifikationen finden sich auch in den Euroklassen, den verschiedenen Abstufungen der CPR-Zertifizierung, wieder. Das tiefergestellte „ca“-Kürzel in der jeweiligen Klasse steht dabei für „cable“.

 

Bauaufsichtlich Benennung Klasse Prüfverfahren Klassifizierungskriterien Zusätzliche Klassifikation
Nicht brennbar Aca EN ISO 1716 PCS ≤ 2,0 MJ/kg  
Schwer entflammbar B1ca EN 50399 (30 kW Brenner)

und

 

FS ≤ 1,75 m und
THR1200s ≤ 10 MJ und
Peak HRR ≤ 20 kW und
FIGRA ≤ 120 Ws-1

 

Rauchentwicklung und brennendes Abtropfen/Abfallen und Säuregehalt
" B1ca EN 60332-1-2 H ≤ 425 mm "
" B2ca EN 50399 (20,5 kW Brenner)

und
FS ≤ 1,5 m; und
THR1200s ≤ 15 MJ; und
Peak HRR ≤ 30 kW; und
FIGRA ≤ 150 Ws-1
"
" B2ca EN 60332-1-2 H ≤ 425 mm "
" Cca EN 50399 (20,5 kW Brenner)

und

 

FS ≤ 2,0 m; und
THR1200s ≤ 30 MJ; und
Peak HRR ≤ 60 kW; und
FIGRA ≤ 300 Ws-1

"
" Cca EN 60332-1-2 H ≤ 425 mm "
Normal entflammbar Dca EN 50399 (20,5 kW Brenner)

und

THR1200s ≤ 70 MJ; und
Peak HRR ≤ 400 kW; und
FIGRA ≤ 1300 Ws-1
"
" Dca EN 60332-1-2 H ≤ 425 mm "
" Eca EN 60332-1-2 H ≤ 425 mm  
Leicht entflammbar Fca EN 60332-1-2 H > 425 mm  

Darstellung der „Euroklassen für das Bauprodukt Kabel“ (Quelle: White Paper Brandschutzkabel der ZVEI)

 

Die meisten PVC-Leitungen erreichen niedrigere Klassen als Eca oder Dca, während hochwertige halogenfreie Leitungen deutlich bessere Leistungen erbringen und die Klassen Cca und B2ca erreichen können. Da die Anforderungen der Euroklasse ACA zu hoch sind, um mit gängigen thermoplastischen Materialien ein wirtschaftliches Produkt anzubieten, ist es in der Praxis für Kabel und Leitungen nicht möglich die Euroklasse Aca zu erreichen.

 

Wo werden CPR zertifizierte Kabel und Leitungen eingesetzt?

Kabel und Leitungen mit CPR Leistungserklärung und damit einer zugeordneten CPR-Klasse werden in erster Linie in Bauwerken eingesetzt. Abhängig vom Sicherheitsbedarf des Bauwerks kann eine höhere CPR-Klasse erforderlich sein. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt CPR-klassifizierter Leitungen, die wir Ihnen bei LAPP für eine Vielzahl von Einsatzzwecken bieten können.

Der Klassiker unter den CPR-Klassifizierten Anschluss- bzw. Steuerleitungen sind unsere ÖLFLEX® CLASSIC 100 H und ÖLFLEX® CLASSIC 110 H Leitungen, die durch ihre halogenfreien Materialien vor allem im Brandfall ein herausragendes Verhalten aufweisen und in der Variante CH auch geschirmt verfügbar sind.

Vorwiegend, aber nicht ausschließlich in Bauwerken eingesetzt, bieten CPR-klassifizierte Leitungen auch weitere Einsatzfelder. Die ETHERLINE® PN CAT.7 FRNC FLEX A zum Beispiel ist eine Datenleitung, mit der sich Gebäude und Schaltschränke in PROFINET-Netzwerken verdrahten lassen. Ein weiteres Einsatzfeld bietet Ihnen unsere ÖLFLEX® HEAT 125 C MC, eine Steuerleitung mit DNV-GL-Zertifizierung für den maritimen Einsatz.

 

Wie hilft ein CPR-zertifiziertes Kabel beim Brandschutz?

Um den Begriff Brandschutz klarer umreißen zu können ist es sinnvoll, diesen in zwei Bereiche zu untergliedern.

Der erste Teilbereich ist die Brandprävention. Alle Baukomponenten sollten einen Beitrag dazu leisten, einen Brand zu vermeiden oder eine Ausbreitung zu verhindern. Dabei sind selbstverlöschende und flammhemmende Eigenschaften eine unverzichtbare Hilfe.

Im zweiten Teilbereich geht es im Wesentlichen darum, Personen im Brandfall aus geschlossenen Räumen zu retten. Dabei ist es wichtig, dass eine hohe Rauchentwicklung vermieden wird und die Toxizität der Gase die Flucht der Menschen nicht erschwert.

Die Verwendung einer Leitung mit geringer Säurebildung und Rauchentwicklung ist somit eine geeignete Brandschutzmaßnahme. Die Euroklassen machen die Stärken der Kabel auf Basis klarer Klassifizierungskriterien und spezifischer Prüfverfahren transparent. So ist schon bei der Bauplanung sichergestellt, dass Sie leicht die richtigen Kabel für Ihre Anwendung finden.

 

 

Welche Normen beschreiben den Aufbau eines Kabels?

Verordnung (EU) Nr. 305/2011:

Laut der Europäische Verordnung (EU) Nr. 305/2011 ist die CPR-Klassifizierung obligatorisch für Bauprodukte und bezieht erstmalig Kabel und Leitungen mit ein. Der Hersteller muss eine „Declaration of Perfomance“ (DoP), übersetzt Leistungserklärung, erstellen. Die DoP dokumentiert die jeweiligen Klassen des Produkts. Genaue Brennwerte werden nicht angegeben. Weiter ist es so, dass bei den Klassen ECA und FCA nur die Hauptklasse angegeben wird.

DIN EN 50575 oder VDE 0482-575:2017-02:

Aus dieser harmonisierten Norm ergeben sich die Anforderungen an das Brandverhalten von Kabeln und Leitungen für den dauerhaften Einsatz in Bauwerken. Kabel und Leitungen sollen mit Hilfe ihrer speziellen Eigenschaften dazu beitragen, Feuer und Rauchentwicklung an der Ausbreitung zu hindern.

DIN EN 13501-6:2019-05:

Die DIN EN 13501-6:2019-05 definiert die Brandschutzklassen von Kabeln und Leitungen. Diese entsprechend ihren Leistungen bei den Prüfungen zum Brandverhalten in Euroklassen unterteilt. Die Norm beschreibt also die Anforderungen an ein Kabel oder eine Leitung pro Klasse, für die das Produkt klassifiziert wird.

 

 

Wie erklärt sich der Zusammenhang zwischen CPR, DoP und CE-Konformität?

Darstellung Zusammenhang CPR, DoP und CE

Darstellung „Zusammenhang CPR, DoP und CE“ (Quelle: White Paper Brandschutzkabel der ZVEI)

 

Für die CE-Konformität müssen Kabel und Leitungen der Klassen ECA und höher Typmusterprüfungen unterzogen werden. Ab der Klasse CCA und höher müssen diese sogar regelmäßige Prüfungen in Form von Werksauditierungen und Musternahmen durchlaufen.

 

Euroklassen
Reaction to Fire
System der Konformitätsbescheinigung Aufgaben der notifizierten Stelle
Aca, B1ca, B2ca, Cca 1+
  • Typmusterprüfung
  • Regelmäßige Werksauditierung
  • Regelmäßige Musternahme aus laufender Produktion
Dca, Eca 3
  • Typmusterprüfung
Fca 4
  • Keine

Darstellung „System der Konformitätsbescheinigung“ (Quelle: White Paper Brandschutzkabel der ZVEI)

 

Für gewerbliche Wiederverkäufer finden Sie im Downloadcenter den Händlervertrag zur CE-Kennzeichnungspflicht und praktische Etiketten-Vordrucke. Da auf Kabeln und Leitungen nur wenig Platz ist, wird nur das CE-Zeichen auf den Außenmantel gedruckt. Das vollständige Etikett wird anschließend auf die Verpackung der Kabel und Leitungen aufgeklebt.

 

Wann ist die Verwendung einer CPR-klassifizierten Leitung Pflicht?

Die Europäische Verordnung (EU) Nr. 305/2011 besagt, das Kabel und Leitungen für die dauerhafte Installation in Bauwerken auf deren Brandverhalten geprüft werden müssen. Die Entscheidung, welche Euroklasse die Kabel und Leitungen eines Gebäudes haben, sollte von der Nutzung und dem Zweck des Gebäudes abhängig gemacht werden.

Durch die Harmonisierung sind die Euroklassen zwar in jedem EU-Mitgliedsstaat gleich. Allerdings unterscheiden sich die gesetzlichen Vorgaben von Land zu Land sehr stark, welcher Euroklasse die Kabel und Leitungen eines Gebäudes entsprechen müssen.

 

Welche Mindestanforderungen an die verwendeten Kabel und Leitungen gibt das deutsche Baurecht vor?

Die Musterbauordnung (MBO) gibt in § 26 Abschnitt 1 die Verwendung von Kabeln und Leitungen nach der Brandklasse Eca oder besser vor.

Wenn ein Kabel oder eine Leitung mit einer CPR-Zertifizierung nach Euroklasse Fca eingesetzt wird, ist die Verwendung an einige Bedingungen gekoppelt: Die umgebenden Materialien müssen der Brandschutzklasse Eca oder höher entsprechen und somit als nicht leicht entflammbar gelten.