Die hygienische Fabrik - www.lappkabel.de

Die hygienische Fabrik

Wo Lebensmittel verarbeitet werden, ist Hygiene oberstes Gebot. Produktionsanlagen sollten deshalb nach den Prinzipien des Hygienic Design konstruiert werden. Was gilt es hierbei zu beachten – insbesondere was Kabel, Stecker & Co. betrifft?

SKINTOP® HYGIENIC

Beispiel für eine Kabelverschraubung im Hygienic Design: Sie hat glatte Oberflächen und keine Kanten, so dass sich Nahrungsmittelreste nicht festsetzen beziehungsweise leicht abwaschen lassen.

Ein großer Fortschritt, um Qualität, Sicherheit, und letztlich Effizienz in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie zu optimieren, sind Produktionsanlagen beziehungsweise Komponenten, die nach den Prinzipien des Hygienic Design ausgelegt wurden: Sie sind so konstruiert, dass sich Keime nicht festsetzen können und sie sich leicht reinigen lassen. Außerdem sind sie besonders robust. Ein Beispiel hierfür ist die Kabelverschraubung SKINTOP® HYGIENIC von Lapp, die sich an die allgemeinen Gestaltungsgrundsätze der DIN EN 1672-2 für die Nahrungsmittelindustrie anlehnt und nach neuester EHEDG-Prüfung zertifiziert ist. Oberste Maßgabe bei der Entwicklung war, keine Angriffsflächen für Verunreinigungen zu bieten. Alle Dichtungen schließen lückenlos in Richtung Kabel und Anschlussstelle ab und statt eines O-Rings besitzt die Kabelverschraubung über dem Anschlussgewinde eine Formdichtung mit Radius, einen Dichtring unterhalb der Hutmutter sowie einen speziell geformten Schlauchdichtring zum Kabel. Außerdem erfüllt die Kabeleinführung die ECOLAB®-Vorgaben bezüglich der Beständigkeit gegen Reinigungs- und Desinfektionsmittel.

Die drei Hygienezonen

Hygiene ist in der Lebensmittelverarbeitung generell wichtig - doch es gibt Unterschiede. Je näher ein Bauteil dem Lebensmittel kommt, umso höher die Anforderungen. Grundsätzlich lassen sich drei Hygienezonen unterscheiden:

  • Die Produktzone: Diese kommt regelmäßig mit dem Lebensmittel in Berührung. Beispiele sind Rührer, Fülldüsen, Messer oder Schneidevorrichtungen.
  • Spritzzone: Das sind Bereiche und Maschinen, die mit dem Lebensmittel in Berührung kommen können, etwa durch Verspritzen. Ob das Lebensmittel allerdings zurück in die Produktzone gelangen kann, wird in der Regel von einem Gutachter oder vom Hersteller in einer Risikoanalyse bewertet.
  • Nicht-Produktzone: Das sind alle Bereiche und Einrichtungen in einer Fabrik, die nicht direkt mit dem Lebensmittel in Berührung kommen. Jedoch werden auch diese oftmals zusammen mit den sensibleren Bereichen gereinigt, was wiederum eine hohe chemische und mechanische Beanspruchung bedeuten kann.

Aufgepasst bei der Kabelverlegung

Die strengsten Anforderungen an die Hygiene gelten für die Spritzzone und die Produktzone. Diese müssen besonders häufig und gründlich gereinigt werden. In der Regel übernehmen diese Aufgabe Reinigungstrupps, die im Akkord arbeiten und scharfe Reinigungsmittel wie ätzende Säuren und Laugen in unterschiedlichen Konzentrationen benutzen beziehungsweise die Maschinen und Anlagen mit dem heißen Dampfstrahler reinigen. Das halten nur wenige Materialien über längere Zeit aus, allen voran Edelstahl, das speziell in der Produktzone fast ausschließlich zum Einsatz kommt. Wenn Kabel in der Produktzone verlegt werden müssen, dann verengt sich die Auswahl auf wenige besonders widerstandsfähige Typen wie etwa die ÖLFLEX® ROBUST.

Kabelschleifen funktionieren als Schmutzfänger, sind aufwändig zu reinigen und sollten deshalb in der Lebensmittelproduktion vermieden werden.

Kabelschleifen funktionieren als Schmutzfänger, sind aufwändig zu reinigen und sollten deshalb in der Lebensmittelproduktion vermieden werden.

Zudem ist eine Hauptherausforderung die Verlegeart: Oft werden Kabel sehr eng gebündelt, oder sie sind schlecht zugänglich. Optimal für eine leichte Reinigung wäre jedoch eine lockere Verkabelung mit etwas „Spiel“, wohingegen  technische Inspektoren meist großen Wert auf eine feste Verlegung legen – hier gilt es also, einen guten Mittelweg zu finden. Ein Problem sind auch zu lange Kabel: Nicht selten werden Kabel mit etwas Überlänge verlegt, um eine Reserve zu haben – das ist zwar praktisch, aber erstens elektrotechnisch ein Problem (Stichwort Häufung); zweitens sind die Schleifen, die sich dann bilden, oft aufwändig zu reinigen – sprich sie funktionieren als Schmutzfänger.

Generell sollten Kabel idealerweise so verlegt werden, dass sie möglichst weit von den intensiven Reinigungsprozessen entfernt sind. Außerdem bietet sich die Verwendung von Hybridleitungen an: Denn wenn mehrere Kabel in einem kombiniert werden, gibt es entsprechend weniger Kabel mit weniger Zwischenräumen, in denen sich Verunreinigungen festsetzen können.

Sind Kabel in der Produktzone zu verlegen, etwa für einen Temperatur- oder Füllstandssensor in einem Fermenter, so sind diese besonders zu schützen. Häufig ist in diesem Umfeld  die Verlegung in Edelstahlrohren üblich - was allerdings einen erheblichen Kostenfaktor darstellt. Der Trend geht deshalb dahin, zumindest in der Spritzzone und der Nicht-Produktzone Kabel offen oder in flexiblen und formstabilen Schutzschläuche aus Weich-PVC mit innenliegender Spirale sowie einer dazu passenden Schlauchverschraubung zu verlegen. Dies erfordert allerdings eine besondere Robustheit der Komponenten gegen saure und basische Reinigungsmittel und heißen Dampf.

Im Fall der SILVYN®-Hygienic-Lösung von Lapp hat der Schutzschlauch zum Beispiel keine Rillen, wie man sie von Schläuchen aus dem Maschinenbau kennt und in denen sich Rückstände festsetzen könnten. Zudem ist er blau - eine Forderung der Branche: Wenn doch einmal ein Stück Kunststoff in das Lebensmittel fällt, ist es leichter zu entdecken, da in der Natur keine Rohstoffe in so intensivem blau vorkommen. Das gilt gleichermaßen für die Kabelbinder, die es eigens für die Lebensmittelindustrie gibt. Sie sind ebenfalls blau und enthalten zudem eine Beimischung von Metall. Ein verloren gegangener Kabelbinder lässt sich mit einem Metalldetektor oder Röntgengerät leicht wieder auffinden.

Eine weitere Komplikation ergibt sich bei Anwendungen mit großen Temperaturschwankungen: Dann nämlich kann sich Kondenswasser bilden und im Schutzschlauch sammeln – auch das ist auf Dauer nicht hygienisch. In diesem Fall ist eine offen verlegte hochbeständige Leitung in Verbindung mit einer entsprechenden Kabelverschraubung - im Fall von Lapp zum Beispiel einer ÖLFLEX® ROBUST mit der Verschraubung SKINTOP® HYGIENIC - die bessere Wahl. Das Beispiel zeigt, dass es keine universell anwendbare beste Lösung gibt – es ist immer der jeweilige Einzelfall zu betrachten.

Was die Produktentwicklung betrifft, muss dabei keinesfalls das Rad immer neu erfunden werden.  Lapp etwa favorisiert diesbezüglich einen pragmatischen Weg. Das heißt: Statt teure Spezialprodukte zu entwickeln, nutzt das Unternehmen dort, wo es möglich ist, bestehende Produkte aus dem Maschinen- und Anlagenbau auch für die Lebensmittelindustrie. Zum Beispiel den Klassiker ÖLFLEX®  ROBUST, eine Serie von Kabeln, die nicht nur Maschinenöl in der Industriefertigung widerstehen, sondern auch der Reinigung in der Lebensmittelproduktion. Dies gilt ebenso für eine große Palette an Zubehör und weiteren Kabeln mit Mänteln aus PVC, TPE oder PUR, die teilweise auch Ecolab-geprüft sind. Wenn die Anforderungen nicht optimal durch bestehende Lösungen abgedeckt werden können, werden spezielle Branchen-Lösungen entwickelt, wie etwa die SKINTOP® HYGIENIC oder die SILVYN® HYGIENIC.